Viele Menschen, die unter wiederkehrenden Beschwerden wie chronischer Erschöpfung, unerklärlichen Kopfschmerzen, hartnäckigen Verdauungsproblemen oder einer drückenden Enge in der Brust leiden, haben meist schon eine lange und oft sehr frustrierende medizinische Odyssee hinter sich. Sie haben unzählige Untersuchungen durchlaufen, endlich auf Klarheit und Bestätigung gehofft oder auf etwas Greifbares, das behandelt werden kann, nur um am Ende immer wieder dieselbe Antwort zu erhalten: „Organisch ist alles in Ordnung, Sie sind vollkommen gesund."
Dass die medizinischen Werte unauffällig sind, ist einerseits das größte Geschenk, das man sich wünschen kann, und doch hinterlässt es bei den Betroffenen oft ein Gefühl von Hilflosigkeit und Einsamkeit. Denn der Schmerz, mit dem sie Tag für Tag konfrontiert sind, ist für sie absolut real. Die weiterhin fehlende Diagnose bedeutet dann in erster Linie nur, dass sie sich von ihrer Umgebung wieder nicht ernst genommen fühlen. Dadurch entsteht ein zusätzlicher, unsichtbarer innerer Druck, der die körperliche Anspannung und damit auch die Symptome oft noch weiter verstärkt. Es entsteht eine Art Teufelskreis, aus dem man irgendwie keinen Ausweg mehr findet.
Zusammenspiel von Körper und Seele
Die moderne Medizin hat sich über die letzten Jahre hinweg großartig weiterentwickelt und behandelt sehr erfolgreich all das, was sie messen, abbilden oder belegen kann. Doch das, was uns innerlich bewegt, was wir fühlen, was uns tief verletzt oder überfordert, findet in diesem strukturierten Fortschritt weiterhin kaum Platz. Dabei ist genau das, was wir seit vielen Jahren unbewusst mit uns herumtragen, oft die eigentliche verdeckte Ursache für unsere körperlichen Beschwerden. Denn unser Körper und unsere Seele sind untrennbar miteinander verbunden.
Wenn die Seele beginnt, über den Körper zu sprechen, zeigen sich unsere tiefsten Emotionen, inneren Spannungen, Ängste, ungelösten Konflikte und alte, nicht verarbeitete Erfahrungen in der Form körperlicher Symptome. Schmerzen, für die es keinen organischen Befund gibt, sind demnach niemals der eigenen Einbildung geschuldet, sondern zeigen uns vielmehr die ganz reale Reaktion unseres Körpers auf psychische Belastungen, die sich für den Betroffenen genauso anfühlen wie organische Schmerzen. Der Körper macht dabei in unserer Wahrnehmung nämlich keinen Unterschied, ob die Schmerzen einen organischen oder psychosomatischen Ursprung haben.
Wenn innere Anspannung den Schmerz nährt
Ganz oft lässt sich in diesem Zusammenhang auch beobachten, dass sich die jeweils individuellen Symptome gerade in Ruhephasen, in emotional besonders belastenden Situationen oder auch bei bestimmten, immer wiederkehrenden Gedankengängen deutlich verstärken. Das geschieht aus dem einfachen Grund, weil unser Körper stets äußerst hochsensibel auf unsere inneren Anspannungen reagiert und jeder Gedanke und jedes Verhalten sich in unserem Körper unmittelbar widerspiegelt. Selbst dann, wenn wir diese Anspannung im eigenen Alltagsstress gar nicht bewusst wahrnehmen. Auf unbewusster Ebene kommuniziert unsere Seele bei allem, was wir tun und denken, mit unserem Körper.
Auf der anderen Seite bedeutet das aber auch, dass schon kleine Veränderungen in unserem Denken etwas Positives in unserem Körper auslösen können. Denn unsere Gedanken beeinflussen in jede Richtung immer auch direkt unser Nervensystem. Wenn wir also lernen behutsam zu beginnen, die zum Selbstschutz erlernte innere Kontrolle und Spannung durch ein echtes Selbstmitgefühl zu ersetzen, kann sich auch die körperliche Anspannung spürbar lösen. Wobei es hierbei selbstverständlich nicht um ein oberflächliches „positives Denken" im Sinne von Verdrängung geht, sondern um eine ganz bewusste und liebevolle innere Haltung uns selbst gegenüber. Es geht um die ehrliche Selbstreflexion, einmal in Ruhe darüber nachzudenken, wessen Stimme hier im inneren Dialog eigentlich tatsächlich zu einem spricht, wenn wir streng mit uns selbst umgehen und trotz jeder Erschöpfung immer weiter funktionieren. Und es geht um das bewusste Reflektieren, ob wir vielleicht auch nur deshalb immer weiter funktionieren, weil wir früher gelernt haben, nur dann Liebe und Anerkennung von unserer Umgebung zu erhalten, wenn wir einem ganz bestimmten Rollenbild entsprechen.
Eigenverantwortung als erster Schritt zur Heilung
Unser individueller Heilungsprozess beginnt genau dort, wo wir lernen damit aufzuhören, weiterhin unbewusst gegen unseren eigenen Körper und insbesondere gegen unsere eigenen Bedürfnisse und unser eigentliches eigenes ICH zu kämpfen, und uns stattdessen erlauben, uns selbst ernst zu nehmen und uns zu trauen, auch bewusste Grenzen zu setzen. Es geht darum, zum Selbstschutz erlernte innere Konflikte behutsam aufzudecken und aufoktroyierte Rollenbilder zu identifizieren und das Drehbuch des eigenen Lebens neu zu schreiben. Im Alltag bedeutet das, die Signale des eigenen Körpers nicht mehr länger zu versuchen wegzudrücken, sondern sich zu erlauben, eigene Bedürfnisse zu haben, klare Grenzen zu setzen, die eigene Rolle und Berufung zu erkennen und diese auch mutig auszuleben, um endlich aus einer inneren ICH-Stärke heraus agieren zu können und sich nicht weiter nur anzupassen. Und ganz besonders auch darum, sich nicht selbst jeden Tag wieder aufs Neue untreu zu werden. Nur weil man denkt, dass man weiterhin so sein muss, wie man anderen zuliebe geworden ist.
Einfache, aber kraftvolle innere Leitsätze und eine bewusste Selbstreflexion können uns dabei wunderschön helfen, ein tiefes Gefühl von innerer Sicherheit zu erlangen. Wenn wir uns beispielsweise Fragen stellen wie: „Welche Form der Unterstützung würde ich mir gerade wünschen, damit ich mich sicherer fühle?" oder aber auch „Wovor habe ich Angst, wenn ich beginne, meine Grenzen zu setzen und andere zu enttäuschen? - Was wäre für mich das Schlimmste, das in diesem Zusammenhang passieren könnte?" oder „Bin ich für andere überhaupt noch wertvoll genug, wenn ich Grenzen setze und mich nicht mehr um alles kümmere?"
Der eigene Lösungsansatz liegt dabei nun darin, diese Fragen nicht sofort wieder selbst negativ zu bewerten oder wegzuschieben, sondern sie als eine bewusste liebevolle Einladung an das eigene ICH zu verstehen, um den inneren Auslöser für den Schmerz behutsam aufzudecken und zu erkennen, welche Botschaft der Seele denn eigentlich hinter den körperlichen Beschwerden steht. Wo Sie sich vielleicht schon ein Leben lang selbst untreu sind und Ihre Seele Ihnen mit den Schmerzen zeigen möchte, dass es nun endlich an der Zeit ist, genauer hinzusehen und ganz Sie selbst zu werden.
Ein behutsamer Begleiter für den eigenen Weg
Um diesen oft nicht einfachen Weg nicht allein gehen zu müssen, bietet das Buch „Wenn der Arzt nicht weiter weiß" von Dr. Sabine Viktoria Schneider eine wertvolle und empathische Unterstützung, die dabei hilft, die verborgenen Botschaften unseres Körpers zu entschlüsseln, wenn die medizinische Diagnose fehlt. In diesem umfassenden Nachschlagewerk widmet sich die Psychologin mehr als 200 Krankheitsbildern und ihren seelischen Hintergründen, um aufzuzeigen, was sich beispielsweise hinter Symptomen wie chronischer Müdigkeit, Gelenkschmer zen, Verdauungsproblemen oder Tinnitus verbergen kann und was sich auf einfache Weise selbst dagegen tun lässt.
Damit sich niemand mit seinen Schmerzen allein gelassen fühlt, werden im Buch drei Menschen mit ganz unterschiedlichen, aber typischen Leidensgeschichten vorgestellt, die einen beim Lesen als persönliche Weggefährten emotional abholen. Wir begegnen Herrn Wagner, dessen chronische Rückenschmerzen ihm zeigen, dass er die Last der Familie nicht länger allein tragen muss. Wir lernen Frau Binder kennen, deren Reizdarmbeschwerden sie auffordern, ihr Harmoniebedürfnis zu hinterfragen, und wir begleiten Frau Horvath, deren Herzrasen eigentlich ein Hilferuf ihrer Seele ist, weil sie ihre eigenen Gefühle ein Leben lang unterdrückt hat.
Zu jedem der 200 Symptome bietet das Buch einen klaren, achtstufigen Leitfaden, der von der Ergründung möglicher seelischer Ursachen über psychodynamische Lösungsansätze bis hin zu naturheilkundlichen Impulsen und Akupressurpunkten reicht, um den Heilungsprozess ganzheitlich zu unterstützen. Dabei soll dieses Buch keinesfalls eine medizinische Abklärung ersetzen, die immer unerlässlich bleibt, um organische Ursachen tatsächlich auszuschließen, sondern es versteht sich als eine tiefgehende Ergänzung zur Schulmedizin, die uns dazu einlädt, uns selbst mit Mitgefühl zu begegnen. Denn wenn wir lernen, den tieferen Sinn unserer Symptome zu verstehen und die zugrundeliegenden seelischen Ursachen zu erkennen, verwandeln sich unsere inneren Blockaden in neue Kraft, durch die unsere natürlichen Heilungsprozesse in Gang kommen. Damit die Seele keine Symptome mehr über den Körper schicken muss, um endlich gehört zu werden.
