Die Salzburger bewegen sich zu wenig

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Der P10-Science Hub am Universitätsklinikum Salzburg gab Einblick in die Studienergebnisse und deren Bedeutung für Forschung und Prävention. Viele Salzburgerinnen und Salzburger im Alter zwischen 40 und 77 Jahren sind nicht so gesund, wie sie selbst glauben.

„In der Paracelsus 10.000 Studie (P10) werden die starren Grenzen der medizinischen Fachdisziplinen überwunden und metabolische Faktoren, Lebensstil, Bewegung, Risikofaktoren und die Gesundheit des Gehirns untersucht. Nur longitudinale Studien mit wiederholten Erhebungen ermöglichen es, kausale Zusammenhänge zwischen Lebensstil, genetischen Faktoren und Erkrankungen zu identifizieren – die P10 ist eine der wenigen Studien in Österreich, die dies leistet“, erläutert Prof. Eugen Trinka, Vorstand der Universitätsklinik für Neurologie, der die Studie mit Prof. Elmar Aigner, Universitätsklinik für Innere Medizin I, und Prof. Bernhard Iglseder, Universitätsklinik für Geriatrie, leitet. Ins Leben gerufen wurde Paracelsus 10.000 2013 von Prof. Bernhard Paulweber, dem ehemaligen Leiter der Inneren Medizin I. 

Beteiligt sind weitere Universitätskliniken der Salzburger Landeskliniken, die Paris Lodron Universität Salzburg mit den Fachbereichen Sport- und Bewegungswissenschaften sowie Psychologie und die Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU).

 

Neue Gesundheitsdatenbank

„Mit der P10 bauen wir eine einzigartige Gesundheitsdatenbank für Salzburg auf: strukturiert, langfristig, interdisziplinär. Sie verknüpft Lebensstil, Genetik und Krankheit, macht Zusammenhänge sichtbar und liefert die Datenbasis, die wir brauchen. So verstehen wir Krankheiten besser und können wirksame Maßnahmen zur Vorbeugung gezielt einsetzen. Damit schaffen wir eine wirksame Vorsorge und mehr gesunde Jahre für unsere Bevölkerung“, so Gesundheitslandesrätin Daniela Gutschi, die auch für Wissenschaft und Forschung zuständig ist.

Viele Salzburgerinnen und Salzburger im Alter zwischen 40 und 77 Jahren sind nicht so gesund, wie sie selbst glauben. Das ergab die Paracelsus 10.000 Studie, eine der größten epidemiologischen Studien Österreichs. Zwischen 2013 und 2020 wurden im Rahmen der Studie Gesundheitsdaten von 10.000 Salzburgerinnen und Salzburgern erhoben – vorwiegend aus der Stadt Salzburg, dem Flach- und Tennengau. Aktuell läuft das erste Follow-up, ein zweites ist für 2027 geplant. Besonders relevant ist die Altersgruppe zwischen 50 und 60 Jahren: Hier entstehen viele Erkrankungen, gleichzeitig besteht noch erhebliches Präventionspotenzial.

Benefit für die Teilnehmenden und Grundlage für Gesundheitsplanung

Neben dem Benefit für die Teilnehmenden in Form einer umfassenden Gesundenuntersuchung und manchem Zufallsbefund generiert die Studie einen riesigen Datenschatz. „Diesen einem breiten Kreis von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus verschiedenen Fachrichtungen zugänglich zu machen, ist das Ziel der wissenschaftlichen Tagung P10 Science Hub, die bereits zweimal stattgefunden hat. Die Erkenntnisse aus der Forschung sollen interdisziplinär genutzt, in politische Planungsprozesse und die klinische Versorgung einbezogen werden“, so Andrea Bito, Studienkoordinatorin der P10, in ihrem Eingangsvortrag.

Fitnesslevel ausbaubar – erste Schlussfolgerungen aus der P10

Prof. Nathan Weisz und Dr. Fabian Schmidt untersuchen im Rahmen der P10-Studie, welche Faktoren das kognitive Altern beeinflussen – von genetischer Veranlagung über Bildung bis hin zum Lebensstil. Erste Einblicke zeigen: Der eigene Kopf kann messbar jünger oder älter sein (Brain Gap), als es der Ausweis vermuten lässt. Und: Altern ist hochgradig individuell.

Fettleber, Koronarkalk, Rheuma, Blutfettwerte – viele internistische Erkrankungen verlaufen lange unbemerkt. Die Arbeitsgruppe der Universitätsklinik für Innere Medizin I rund um Prof. Bernhard Wernly zeigte, wie die P10-Daten auf drei Ebenen neue Erkenntnisse liefern: den Zusammenhang zwischen Rheuma und Nierenerkrankungen, den Einfluss von Bildung auf Herzgesundheit und Übergewicht, und die Kraft genetischer Risikoprofile für die Früherkennung. Mit zahlreichen herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten in der kardiometabolischen Forschung hat sich die Arbeitsgruppe zu einem international anerkannten Zentrum für Public Health entwickelt.

Um es vorwegzunehmen: „Trotz alpiner Umgebung bleibt Handlungsbedarf“, so Dr. Martin Pühringer vom Fachbereich Sport- und Bewegungswissenschaften der PLUS. Kardiorespiratorische Fitness zählt zu den stärksten Prädiktoren für ein langes, gesundes Leben. Dr. Martin Pühringer und Andrea Bito präsentierten erstmals bevölkerungsrepräsentative Daten zur Fitness der Salzburger Bevölkerung – objektiv gemessen am Ergometer. So rangiert Salzburgs Bevölkerung im Vergleich mit europäischen Studien im unteren Drittel. 

Wie bewegt ist Salzburg? 

Die von der WHO vorgegebenen 150 Intensitätsminuten pro Woche, diese jeweils mindestens in Zehn-Minuten-Einheiten, erreichen 34 % der Salzburgerinnen und 46 % der Salzburger.

Bevölkerungsrepräsentative P10-Daten zu Schlafdauer und Tagesmüdigkeit der Salzburger Bevölkerung präsentierte Schlafmediziner Dr. Alexander Kunz: „Die durchschnittliche Schlafdauer mit sieben Stunden liegt im Normbereich; gleichwohl berichtet annähernd die Hälfte der Befragten von leichter Tagesmüdigkeit.“ Gesund altern bedeutet mehr als nur alt zu werden. Prof. Bernhard Iglseder beleuchtete, was die Wissenschaft unter gesundem Altern versteht. Hervorzuheben ist die starke Interaktion verschiedener Organsysteme, z.B. die Herz-Hirnachse, der P10 durch die gelebte Interdisziplinarität besondere Aufmerksamkeit widmet.

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.