Die Zukunft des Hörens

Beim österreichischen Hörimplantat-Hersteller MED-EL setzt man auf Robotik und bildgesteuerte Chirurgie in der Hörimplantologie.

„Das Gesundheitswesen hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert“, erklärt Dr. Ingeborg Hochmair, Gründerin und CEO des Hörimplantat-Herstellers MED-EL. „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt. Mit diesem Fokus erforschen wir den Einsatz von Robotik und bildgesteuerter Chirurgie, Rehabilitation mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz und die Anwendung großer Sprachmodelle und generativer Technologien. Wir optimieren die Alltagstauglichkeit und Kompatibilität unserer Produkte durch die Integration von Telemedizin sowie digitalen Lösungen.“ Mit dem Ziel, die Möglichkeiten des Hörens und Kommunizierens zu verbessern.

Zahlreiche dieser Lösungen stellt MED-EL schon zur Verfügung: Bluetooth-Anbindung der Hörsysteme an persönliche Kommunikationsgeräte, HearCare Applikation für Fernwartung oder ReDi-Applikation für Hör- und Sprachübungen, um einige zu nennen. Revolutionär aber sind Visualisierung und roboterassistierte Chirurgie, wie sie mit OTOPLAN, OTODRIVE und OTOGUIDE umgesetzt werden.

„Roboterassistierte Chirurgie gilt inzwischen bei vielen Eingriffen als etabliert, von der Urologie bis zur Orthopädie“, erklärt dazu Masoud Zoka Assadi. Der Medizintechniker und Spezialist für Roboterchirurgie leitet bei MED-EL das Team für bildgestützte Chirurgie und chirurgische Instrumente. In der Cochlea-Implantation gewinne der Erhalt von noch vorhandenen Hörresten und die individualisierte Implantation ständig an Bedeutung: Hier kommen roboterassistierte Systeme ins Spiel sowie spezielle Software zur OP-Planung. 

Für optimierten Hörerhalt und individualisierte Cochlea-Implantation 

Ausgehend von bildgebender Diagnostik, Teil der Untersuchungen vor jeder Cochlea-Implantation, stellt OTOPLAN ein detailgetreues, dreidimensionales Bild des jeweiligen Innenohrs dar. Die Software kann auch die unterschiedlichen MED-EL Elektrodenträger in der Hörschnecke visualisieren: So sieht der:die Chirurg:in schon vor Beginn des Eingriffs, welche Elektrode optimal passt: für optimale Nutzung der gesamten Cochlea und zugleich größtmögliche Schonung noch funktionsfähiger Strukturen im Innenohr.

Bei der Implantation erleichtert besonders langsames Einfädeln der Elektrode nicht nur die vollständige Abdeckung der Cochlea, sondern es verringert auch den Widerstand beim Inserieren. Dadurch bleibt noch vorhandenes Restgehör besser erhalten und die Vestibularfunktion des Ohrs wird geschont. Untersuchungen haben gezeigt, dass auch erfahrene Chirurg:innen die Elektrode manuell nicht langsamer als 52 Millimeter pro Minute vorschieben können, ohne zu ruckeln. Mit OTODRIVE kann der:die Chirurg:in die Geschwindigkeit bis auf 6 Millimeter pro Minute reduzieren.

Wenige Wochen nach der Implantation wird das Cochlea-Implantat erstmals aktiviert und der Audioprozessor individuell angepasst. Mit OTOPLAN kann dazu die Lage der einzelnen Elektrodenkontakte im Innenohr exakt bestimmt werden. Das ermöglicht eine treffsichere Zuordnung der Tonhöhen an die individuelle Anatomie der versorgten Person. Sie profitiert durch diese anatomisch-basierte Anpassung, kurz: ABF, von natürlicherem Klangbild, rascherer Gewöhnung an das neue Hören und insgesamt besseren Hörerfolgen. 

Ohrchirurgie neu denken 

„Wir von MED-EL wollen sicherstellen, dass alle Patient:innen von individualisierten Implantaten, hörerhaltenden Verfahren und personalisierten Anpassungen profitieren“, erklärt Assadi die Motivation hinter diesen Innovationen. „Ich bin überzeugt, dass Präzisionschirurgie - unterstützt durch roboterassistierte Technologie und fortschrittliche Planungs- und Visualisierungsinstrumente – den Weg dazu ebnet.“ 

Von einfachen Handwerkzeugen im 18. Jahrhundert zu den chirurgischen Mikroskopen und Bohrern: Jede Innovation bei chirurgischen Instrumenten hat auch die Sicherheit und Präzision operativer Eingriffe verbessert. Mittlerweile übertreffen bildgestützte, roboterassistierte Systeme die Präzision manueller Operationen und entlasten zugleich die OP-Teams. Wichtig dazu ist die nahtlose Integration von Hardware, Software und Datensystemen im Operationssaal. 

Seit der Einführung von OTOPLAN im Jahr 2018 können Chirurg:innen bei der Implantation von MED-EL Hörimplantaten auf ein wachsendes Gefüge von Systemen zur Visualisierung und roboterassistierte Chirurgie zurückgreifen. Von CASCINATION AG in der Schweiz entwickelt und für MED-EL Hörimplantate optimiert, haben sie sich auch an den österreichischen Implantationskliniken seither bestens bewährt. Heuer stellt MED-EL das dazu passende Monitoring-System OTOGUIDE vor, das aus derselben Zusammenarbeit europäischer Hightech- Hersteller hervorgeht. 

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