Wie das Einatmen von Meeresluft unser Immunsystem beeinflussen kann

Viele Menschen empfinden Entspannung und Wohlbefinden, wenn sie Zeit am Meer verbringen. Wissenschaftliche Studien belegen, dass das Leben in Meeresnähe mit einer besseren Gesundheit bei COPD oder Asthma einhergeht.

Das Meer kann sich positiv auf die Atemwege auswirken, insbesondere der Wind und das Salzwasser. Das Meeresklima trägt zur Abschwellung der Schleimhäute bei und das Salzwasser in der Luft kann festsitzenden Schleim lösen. Dieser verflüssigt sich und dringt leichter nach außen. Aus diesem Grund ist auch Meeresklima für viele Lungenpatienten wohltuend. Entscheidend ist dabei ein Klima, das frei von schädigenden Einwirkungen wie Luftverunreinigungen, Nebel oder Schwüle ist. In den meisten Fällen kommt die Klimatherapie bei Erkrankungen der Haut oder der Atemwege zum Einsatz. Für eine Klimatherapie am Meer sollte man mindestens drei Wochen einplanen. Studien konnten zeigen, dass die positiven Resultate nicht von kurzer Dauer sind, sondern auch längerfristig nachwirken.

Die Luft, die wir an der Küste atmen, enthält mikroskopisch kleine Aerosole, die Bakterien und andere bioaktive Verbindungen aus dem Meerwasser in die Atmosphäre transportieren. Die Forschungsergebnisse zeigen Forschungsergebnisse des VLIZ, der Universität Gent und Universität Antwerpen. In deren Studie zeigt sich, dass diese Partikel in der Luft beim Einatmen subtile Auswirkungen auf unser Immunsystem haben können. Denn Meeresluft ist mehr als nur eine erfrischende Brise – sie enthält mikroskopisch kleine Partikel, sogenannte Meerwasseraerosole (SSAs). Diese winzigen Tröpfchen entstehen, wenn Wellen brechen und Blasen platzen, wodurch Meerwasser in die Luft freigesetzt wird. Neben Salzionen transportieren SSAs verschiedene Mikroorganismen, darunter Bakterien, Viren, Pilze und Phytoplankton, sowie biogene Moleküle wie Lipide, Kohlenhydrate, Aminosäuren und Vitamine aus dem Meer. Das bedeutet, dass wir beim Strandspaziergang möglicherweise dieses komplexe Gemisch aus Meeresinhalt einatmen.

Niedrig dosierte SSAs dämpfen die Entzündungsreaktion

Um zu verstehen, wie eingeatmete Meeresbakterien Immunreaktionen beeinflussen, wurden menschliche Zellen im Labor etwa 24 Stunden lang SSA-Proben ausgesetzt. Es zeigte sich, dass die Bakterien und Endotoxine (ein Bestandteil der äußeren Membran gramnegativer Bakterien) in diesen Aerosolen wichtige Immunrezeptoren wie Toll-like-Rezeptor 4 (TLR4) und Toll-like-Rezeptor 2/6 (TLR2/6) sowie die Transkriptionsfaktoren Nuclear Factor kappa B (NF-B) und Interferon Regulatory Factor (IRF) leicht aktivierten. 

Die Stärke dieses Effekts hing von der Konzentration der Bakterien und Endotoxine in den SSA-Proben ab. Interessanterweise zeigten Folgeexperimente, dass niedrige Konzentrationen dieser marinen Bakterien und Endotoxine die Aktivierung von TLR4 und IRF als Reaktion auf eine nachfolgende Exposition gegenüber proinflammatorischem E. coli- LPS dämpften.

Gesundheitliche Auswirkungen und zukünftige Forschung 

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Exposition gegenüber geringen Konzentrationen von marinen Bakterien und Endotoxinen in der Luft in Küstenregionen die Immunantwort regulieren und somit möglicherweise zu den gesundheitlichen Vorteilen beitragen kann, die mit Küstenlebensräumen verbunden sind. 

Doch wie bereite ich mich am besten vor, um eine möglichst entspannte Zeit zu haben, in der ich maximale Kraft tanken kann?

Urlaub in den Bergen oder am Meer mit COPD

Grundsätzlich sind für Menschen mit Atemwegserkrankungen wie COPD oder Asthma Urlaubsziele mit gemäßigtem Klima, eher geringer Luftfeuchtigkeit und wenig Luftverschmutzung empfehlenswert.

In den Bergen ist die Luft generell weniger von Schadstoffen und Pollen belastet als in niedrig gelegenen Regionen. Allerdings nimmt in höheren Lagen auch der Sauerstoffgehalt und der Luftdruck ab. Im Mittelgebirge atmet es sich daher leichter als im Hochgebirge. 

Das Mittelmeer gehört nach wie vor zu den beliebtesten Reisezielen im Sommer. Für COPD-Patienten bietet sich eine Reise in den Süden aber vielleicht eher im Frühjahr oder Herbst bei etwas gemäßigteren Temperaturen an. Hitze und Luftfeuchtigkeit können Kreislauf und Herz nämlich belasten und damit auch die Symptome der COPD verschlimmern

An Nord- und Ostsee herrschen im Sommer hingegen günstigere Bedingungen für Patienten mit Atemwegsproblemen. Die Temperaturen sind in der Regel gemäßigter und die an Aerosolen reiche Meeresluft befeuchtet die Atemwege. Manche COPD-Patienen vertragen allerdings das Reizklima – damit ist der hohe Salzgehalt der Meeresluft gemeint – weniger gut.

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.