Neben einem ästhetischen Problem können Krampfandern zu ernsthaften gesundheitlichen Komplikationen führen. Die häufigste Ursache von Krampfadern ist eine genetische Veranlagung für eine Wandschwäche der oberflächlichen Beinvenen. Aus dem althochdeutschen Begriff „krimpfan“ (krümmen), wurde im Mittelhochdeutschen schnell die „Krummader“, heute sprechen wir von Krampfadern, medizinisch als Varizen bezeichnet, sind chronische Erweiterungen oberflächlicher Venen und stellen eine der häufigsten Gefäßerkrankungen in den westlichen Industrienationen dar.
Sie betreffen überwiegend die unteren Extremitäten und entstehen in der Regel durch eine Insuffizienz der Venenklappen. Diese Klappen sorgen physiologischerweise dafür, dass das venöse Blut entgegen der Schwerkraft zum Herzen transportiert wird. Versagen sie, kommt es zu einem pathologischen Rückfluss des Blutes, einem sogenannten venösen Reflux, der einen anhaltenden Druckanstieg in den Venen verursacht. In der Folge dehnen sich die Venenwände dauerhaft aus und weitere Venenklappen versagen.
Genetische Veranlagung, Bewegungsmangel und Übergewicht
Die Entstehung von Krampfadern wird durch mehrere Risikofaktoren begünstigt. Eine genetische Veranlagung spielt eine zentrale Rolle, ebenso langes Stehen oder Sitzen, Bewegungsmangel und Übergewicht. Auch hormonelle Faktoren, insbesondere während der Schwangerschaft, sowie zunehmendes Lebensalter erhöhen das Risiko. Frauen sind insgesamt häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung entwickelt sich meist schleichend und nimmt über die Jahre hinweg an Schwere zu.
Klinischen Anzeichen
Klinisch äußern sich Krampfadern zunächst durch sichtbare, bläulich geschlängelte Venen. Häufig berichten Betroffene über ein Schwere- oder Spannungsgefühl in den Beinen, rasche Ermüdbarkeit, Schmerzen, Ödeme im Knöchelbereich. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu chronisch-venöser Insuffizienz mit Hautveränderungen wie Hyperpigmentierungen, Stauungsekzemen und im schlimmsten Fall zum „Ulcus cruris venosum“ kommen. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für oberflächliche Thrombophlebitiden.
Therapien
Die Therapie der Varikose richtet sich nach dem klinischen Stadium, dem Beschwerdebild sowie den individuellen anatomischen Gegebenheiten. Konservative Maßnahmen bilden häufig die Grundlage der Behandlung. Die Kompressionstherapie mit medizinischen Kompressionsstrümpfen verbessert den venösen Rückstrom, reduziert Ödeme und lindert Symptome, kann jedoch bestehende Krampfadern nicht rückgängig machen. Ergänzend werden regelmäßige körperliche Aktivität, venengerechte Bewegung, Gewichtsreduktion sowie das Hochlagern der Beine empfohlen.
Bei symptomatischen oder fortgeschrittenen Befunden kommen interventionelle oder operative Verfahren zum Einsatz. Minimalinvasive endovenöse Techniken haben sich in den letzten Jahren als Standard etabliert. Die endovenöse Lasertherapie und die Radiofrequenzablation führen durch thermische Schädigung zum gezielten Verschluss insuffizienter oberflächlicher Stammvenen. Alternativ und ergänzend kann eine Sklerosierung durchgeführt werden, bei der ein schaumförmiges Verödungsmittel injiziert wird, insbesondere bei Seitenast- und Besenreiservarizen.
Crossektomie mit Stripping
In bestimmten Fällen, etwa bei ausgeprägter Varikose oder komplexer Anatomie, sind chirurgische Verfahren wie die Crossektomie mit Stripping der oberflächlichen Stammvenen notwendig. Moderne Operationstechniken sind gewebeschonend und mit kurzen Erholungszeiten verbunden. Unabhängig von der gewählten Therapie ist eine individuelle Behandlungsplanung entscheidend. Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Behandlung können Komplikationen verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig verbessern.
An den Tauernkliniken Zell am See und Mittersill steht ihnen ein kompetentes und spezialisiertes Team der Chirurgie zur Verfügung, um ihnen ganz persönlich und stadiengerecht konservative, minimal-invasive und offene chirurgische Verfahren der Krampfadernbehandlung anzubieten.
Dr. Raffaele Eigner

